Wenn ein neuer Partner auftaucht, kann das beim verlassenen Elternteil nicht nur heftige negative Gefühle auslösen, es können auch bezogen auf gemeinsame Kinder belastende Gedanken auftauchen: Ich werde mein Kind verlieren, wenn der Neue mein Kind öfter sehen kann als ich. Mein Kind hat doch gar keine Lust, mich immer zu besuchen, es bleibt bestimmt lieber zuhause.
Solche Gedanken können Verlustängste auslösen. Der Elternteil, der aus der gemeinsamen Wohnung ausziehen wird, kann das Bedürfnis entwickeln, besonders viel Zeit mit seinem Kind zu verbringen, um es noch stärker an sich zu binden und einer späteren Entfremdung vorzubeugen. Er kann versuchen, Druck auf den anderen Elternteil auszuüben, um zu erreichen, dass der Neue noch keinen Kontakt zum Kind haben darf, dass er nach dem eigenen Auszug auf keinen Fall in der Wohnung übernachten und schon gar nicht gemeinsam mit dem Kind in einem Bett schlafen wird. Er kann auch das Kind dazu befragen, ob es den Neuen oder die Neue schon kennt und wie es ihn oder sie findet.
Das sind normale Reaktionen in einem Trennungsprozess. Zum Problem wird das erst, wenn sich der verlassene Elternteil von diesen Gedanken nicht mehr lösen kann, wenn er nicht mehr sehen kann, dass ein Auszug nicht gleichbedeutend damit ist, die Beziehung zum Kind zu verlieren. Kinder lieben in der Regel beide Eltern und wollen mit beiden zusammen sein. Die Trennung ihrer Eltern ist für die meisten ein Schock, da ihr Familiennest auseinanderbricht. Wenn sie eine gute Beziehung zu dem Elternteil haben, der ausgezogen ist, wollen sie weiter mit ihm Kontakt haben. Sie brauchen als Kinder die Gewissheit, dass der andere Elternteil noch da ist, sich um sie sorgt und sie in seinem Leben weiter eine wichtige Rolle spielen.
Auch neue Partner sind für Kinder eine Realität, mit der sie sich arrangieren müssen. Sie brauchen Zeit, sich an die neue Situation und eine neue Bezugsperson zu gewöhnen. Und sie brauchen Raum dafür, die Trennung der Eltern zu betrauern.
Beide Eltern sind hier gefordert. Der Elternteil, der einen neuen Partner hat, sollte Verständnis für sein Kind aufbringen, das im Trennungsprozess erst am Anfang steht. Er sollte den Kummer des Kindes aushalten, es trösten und ihm versichern, dass es beide Eltern behalten wird. Er sollte das Kind in kleinen Schritten mit dem neuen Partner vertraut machen, auch wenn das nicht zum eigenen Wunsch nach einer schnellen Veränderung passt. Der Elternteil, der mit einem neuen Partner konfrontiert ist, sollte es schaffen, seine negativen Gefühle und Gedanken vor dem Kind zurückzuhalten, auch wenn das schwer fällt. Er sollte sein Kind ermutigen, die neue Situation anzunehmen. Kinder sollten sich frei fühlen, neue Partner kennenzulernen, und möglichst offen herausfinden, was für ein Mensch da in ihr Leben getreten ist. Eltern, die sich durch das Trennungsgeschehen belastet fühlen, sollten ihre Gedanken und Gefühle mit einer anderen erwachsenen Person besprechen und auf diese Weise Trost suchen. Kinder sind dafür nicht die richtigen Ansprechpartner.