Mila klingelt. Als Kerstin ihrer Tochter die Tür öffnet, läuft sie ohne ein Wort an ihr vorbei in die Wohnung und geht sofort in ihr Zimmer. Die Tür fällt hörbar ins Schloss. Kerstin sieht ihr nach und fragt sich, was beim Vater dieses Mal wieder los war. Dann deckt sie den Tisch für das Abendessen. Sie ist dazu übergegangen, ihre Tochter in solchen Situationen erst einmal in Ruhe zu lassen. Sie kommt irgendwann von alleine wieder aus dem Zimmer. Aber einfach ist das nicht. Sie ärgert sich über Sven. Es ist doch nicht schwer, für eine 10-Jährige ein schönes Wochenende zu gestalten. Will er ihr damit eins auswischen? Ihr den Sonntagabend verderben, weil sie mit der frustrierten Mila klarkommen muss. Wenn das so weiter geht, wird Mila nicht mehr zu ihm gehen. Für sie ist es auch anstrengend, ihrer Tochter ständig gut zuzureden, damit sie überhaupt noch zu ihm geht.
Mila sitzt auf ihrem Bett. Ihr Vater ist so doof! Ständig redet er mit seiner Freundin. Und wenn sie etwas mit ihm machen will, hat er keine Zeit, so wie heute Morgen, als sie mit ihm ihr neues Diamond Painting machen wollte, das sie extra mitgebracht hatte. Wenn die bescheuerten Kinder seiner Freundin etwas von ihm wollen, macht er das sofort. Sie hat eben keine Lust, im Garten zu spielen und ist lieber drinnen. Früher wollte Papa auch nicht ständig draußen sein. Wahrscheinlich hat er sie gar nicht mehr lieb. Er hat ja jetzt Evas Kinder, mit denen ist er jeden Tag zusammen. … Nein, sie wird jetzt nicht weinen. Sie hört ihre Mutter. Das Abendessen ist fertig. Mila steht auf. Oh, jetzt wird Mama gleich wieder fragen, wie es war. Mit einer ganz lieben Stimme. Sie hat keine Lust, darüber zu reden. Mama sagt immer, es wird bestimmt schön, aber das stimmt ja nicht. Mama ist auch blöd.
Als Mila aus dem Zimmer kommt, steht Kerstin im Flur und streicht ihrer Tochter kurz über das Haar. Mila schiebt ihre Hand weg. Dann bleibt sie mit hängenden Armen stehen und beginnt zu schluchzen. Kerstin nimmt sie in die Arme und beide stehen so einige Zeit, bis sich Mila wieder beruhigt hat. „Wir können später darüber reden, wenn du magst. Jetzt essen wir erst einmal.“ Mila nickt und geht in die Küche. Sie unterhalten sich über den nächsten Schultag und dass Mila nach dem Unterricht zu ihrer Oma gehen wird. Mila lächelt, als sie erzählt, was sie mit Oma geplant hat.