… bis die Wut, die Trauer, das Gefühl von Alleinsein nicht mehr da ist?
Die Bewältigung einer Trennung ist wie eine Bergbesteigung. Bei den einen scheint der Gipfel schnell erreicht, z.B. wenn die Beziehung nicht lange gedauert hat, eine neue Liebe das Leben leichter macht oder die Trennung gewünscht war. Bei den anderen ist er wolkenverhangen und, wenn überhaupt, nur in seltenen Momenten zu sehen, weil er so weit oben liegt, weil die Beziehung so lange gedauert hat, weil ein Leben ohne den anderen nicht mehr vorstellbar ist, weil das Loslassen einfach nicht gelingen will.
Einen Berg zu besteigen geht nur Schritt für Schritt. Der Blick muss auf das Hier und Jetzt gerichtet sein, damit der Tritt sicher ist und klar ist, wohin der nächste Schritt gesetzt werden kann. Wer schon einmal im Hochgebirge gewandert ist, weiß, dass es nicht weiterhilft, am steilen Geröllhang aus der Ferne den Weg zu suchen. Er bleibt meistens verborgen. Aber jeder Schritt dort, wo ich gerade bin, bringt mich ein Stück weiter.
Ein erster Schritt kann darin liegen, die belastenden Gefühle anzunehmen. Sie sind da und werden nicht einfach verschwinden. Trauer zuzulassen, kann dazu führen, dass sie nach und nach kleiner wird. Auch wenn es dauert. Es kann helfen, darüber nachzudenken, was man vermisst, was besonders schön war. Es sagt mir etwas über mich und darüber, was mir in Beziehungen wichtig ist. Und was in einer neuen Beziehung irgendwann später nicht fehlen sollte. Es lohnt sich auch, darüber nachzudenken, was mein Beitrag zur Trennung war, was ich selber hätte anders machen können. Damit ich in einer nächsten Beziehung darauf achten kann und sie sich vielleicht in eine andere Richtung entwickelt.
Bei der Besteigung eines Berges ist es genauso wichtig, Pausen einzulegen, um den Puls zu beruhigen, den Blick in die Ferne schweifen zu lassen und etwas zu trinken. Solche Pausen braucht es auch nach einer Trennung. Etwas machen, was mir gut tut und zulassen, dass es sich gut anfühlt. Vielleicht noch nicht so gut wie früher, aber angenehm, entspannend, lebendig. Kleine Energie-Oasen, die nur dazu da sind, den Augenblick zu genießen.
Es kann sich lohnen, dafür eine Liste anzulegen. Auf die kann ich schauen, wenn sich wieder alles schwer anfühlt und ich dringend eine Auszeit davon brauche. Einen guten Freund treffen, Musik hören, Tanzen, ins Kino gehen, Sport machen, ein Buch lesen, etwas Leckeres kochen, eine Freundin zum Abendessen einladen, meditieren. Einen Satz aufschreiben, der mich aufbaut und mir Mut macht, und ihn irgendwo gut sichtbar anpinnen … ich habe schon viele Herausforderungen gemeistert … in meinem Leben wird es noch viel Schönes geben … ich kann mir Zeit lassen …