Alexandra Ehmke Coaching

Laura

Laura steht am Fenster und blickt auf die Straße. Sie fühlt sich leer und erschöpft. Heute Nachmittag hat sie mit Paul gesprochen. Sie wollten zusammen überlegen, wie sie es Piet sagen, wann Paul auszieht, wie sie es mit dem Geld machen, ach einfach alles. Und dann schlägt er stattdessen vor, eine Eheberatung zu machen.

Sie merkt, wie Ärger in ihr hochsteigt. Wie oft hat sie ihm das in den letzten Jahren vorgeschlagen? Dreimal, viermal? Sie hatte sogar schon eine Adresse. Er wollte nie. Wie hat er immer gesagt: „Es geht uns doch im Vergleich zu anderen gut. Die paar Probleme schaffen wir auch alleine.“ Es waren nicht nur ein paar Probleme, nicht für sie. Und jetzt? Sie hätte sich auf der Fortbildung gar nicht verliebt, wenn sie über alles gesprochen hätten, was bei ihnen schief lief. Und wenn sie etwas verändert hätten.

Sie hat so viele Monate mit sich gerungen, immer wieder von vorne alles hin und her überlegt: wie es für Piet sein wird, wenn sie nicht mehr alle zusammenleben, wie ihr eigenes Leben aussehen wird, wie Paul damit klar kommen wird. Wie anstrengend das alles war! So oft ist sie morgens aufgewacht und alle Gedanken waren sofort wieder da. Jetzt hat sie endlich einen Entschluss gefasst und er will eine Eheberatung machen. Jetzt, wo es zu spät war. Sie weiß auch, dass es für Piet schlimm wird. Aber sie hat auch ein Leben. Wenn sie sich mit Tim trifft, ist sie so glücklich. Sie stimmen in so vielem überein. Alles fühlt sich so leicht an.

Sie setzt sich auf das Sofa. Was soll sie denn jetzt machen? Soll sie für die Kinder auf Tim verzichten und irgendwie weitermachen? Ihr Glück aufgeben? Große Erschöpfung macht sich in ihr breit. Sie stützt den Kopf in die Hände und schließlich weint sie. Plötzlich spürt sie eine kleine Hand auf ihrem Arm und sieht auf. Piet steht neben ihr und wirkt unsicher. „Mama, ich will was trinken.“ Schnell wischt sie sich die Tränen weg und lächelt ihn an. „Hey, du schläfst ja gar nicht. Wir holen dir Wasser und dann schnell wieder ins Bett.“